Liebe Leser*innen
Das Jammertal ist keineswegs ein abgelegenes 100-Seelen-Dorf in der Pampa, sondern ein Zustand. Mittlerweile bilden Betroffene sogar den Großteil der Gesellschaft.
Was auch passiert, es hat nichts mit ihnen zu tun, sondern kommt zufällig und von außen. Über alles regen sie sich fürchterlich auf und schimpfen wie die Rohspatzen. Den Jammertalern geht es nicht darum etwas zu verändern, damit das Leben einfacher und glücklicher wird, sondern den gewohnten Zustand zu erhalten und bis aufs Blut zu verteidigen.
Es ist Hochsommer
und hat seit Tagen nicht geregnet. Die Erde ist hart und trocken, es drohen Ernteausfälle. Die Jammermama hat Angst um ihre Existenz und gibt den Anführern der Gesellschaft die Schuld.
Endlich kündigt sich ein Gewitter an. Die Luft ist schwül und schwer. Die Jammermama berichtet der Nachbarin ihre Symptome. Detailiert schildert sie ihre Atemnot.
Der Nachbarin geht's aber noch viel schlechter: "Ich musste eine Woche, wegen eines Kreislaufzusammenbruchs, im Krankenhaus liegen".
Sofort fällt der Jammermama ein, dass sie das letzten Jahr auch hatte: "Nach dem Krankenhaus musste ich noch drei Wochen kämpfen, bis ich wieder einigermaßen atmen kommte.
Der Herbst ist gekommen. Der Wetterbericht kündigt mehr als einen Tag Regen an.
Während der gesamten Regenzeit beschwert sie sich über das Pisswetter und flucht, was das Zeug hält. Jetzt sitzt ihr die Angst vor Überschwemmung im Nacken. Wieder sind die Anführer die Schuldigen.
Der Fernseher läuft den ganzen Tag nebenher. Das meistgewählte Programm ist das der aktuellen Nachrichten. Die Jammermama hört von früh bis spät, welche Anführer die miesesten sind.
Im Supermarkt um die Ecke, wo sie mit ihrem Auto hinfährt, erzählt sie einer Bekannten, welchen Scheiß welcher Anführer von sich gegeben hat und wer von denen die meiste Schuld trägt. Sie kotzt sich richtig aus, über die Benzin-, Lebensmittel- und andere Preise.
Wieder zu Hause zieht sie sich die neueste Doku, über die Auswirkungen der langen Trockenzeit, rein. Ihr wird Angst und Bange. Anschließend wird gezeigt, wie Tiere in einem Massenlager gequält werden. Sie postet den Link zur Sendung auf Facebook und
Dann packt sie ihre Einkäufe aus. Zum Mittagessen gibt's billiges Schweineschnitzel mit den billigsten Pommes und der billigsten Mayonaise, die noch aufzuteiben war und denkt:
Das billige Hühnchen von gestern landet im Biomüll, es stand ja auch Bio drauf, weil das keiner mehr essen will. Die Milchquarkspeisen im billigen 6er-Plastikpack sind seit gestern abgelaufen, die müssen auch weg.
Aus dem Jammertal
Bericht von Peggy
dass ihr vorbeigeschaut habt :-)
© Jane Winkler > 1a sozial <> Oktober 2018 | Letzte Aktualisierung: 3. Juni 2024 | Impressum - Datenschutzerklärung